Psychotherapie bei chronischem Tinnitus

Für verhaltenstherapeutische Maßnahmen bei chronischem Tinnitus, gibt es eine relativ gute Datenlage. Um die Gesundheit des Patienten nachhaltig zu fördern, sollte die Behandlung störungsspezifisch auf chronischen Tinnitus ausgerichtet sein. Dies ist eine grundlegende Anforderung für die Psychotherapie bei chronischem Tinnitus.

Vorrangig sollte ein individuelles Krankheitsmodell erarbeitet werden, in welchem der Patient ein besseres Verständnis für die Entstehung des Geräusches im Ohr bekommt, eventuelle Ängste sollten ausgeräumt werden (Psychoedukation).

Im Anschluss daran erarbeiten der Therapeut und der Patient gemeinsam, welche individuellen Faktoren dazu geführt haben können, dass der Patient einen Tinnitus entwickelt hat und welches aufrechterhaltende Faktoren sind. Ursachen hierfür können Stresssoren im privaten und/oder beruflichen Umfeld sein, die gefunden und analysiert werden. Es werden ggfs. alternative Handlungsmöglichkeiten besprochen.

Der Umgang mit Geräuschen im Ohr wird auf

1.) der körperlichen und
2.) der emotionalen (die Gefühle betreffend) sowie 
3.) der kognitiven (die Gedanken betreffend) und
4.) der das Verhalten betreffenden Ebene

besprochen.

Die tinnituspezifische Arbeit der Psychotherapie zielt auch auf eine Reduktion der Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Ohrgeräusche, so dass eine neue Bewertung des Tinnitus erfolgen und Ängste und Sorgen abgebaut werden können. Die von Tinnitus-Patienten klassischerweise erlebten Katastrophisierungen („Das Ohrgeräusch wird immer schlimmer und ich kann nichts machen.“) und erwarteten negativen Konsequenzen („Ich kann wegen des Tinnitus nie mehr arbeiten.“, „Ich kann wegen der Ohrgeräusche nie mehr richtig schlafen.“) werden ebenfalls aufgearbeitet.

Eine verbesserte Bewältigung der Tinnitus-Symptome und ein Zuwachs an Vertrauen in die eigene Einflussnahme, die sogenannte „Selbstwirksamkeitserwartung“ ist Ziel der Therapie. Diese Selbstwirksamkeitswertung ist ein sehr relevanter Faktor zur Wiedererlangung der eigenen Gesundheit.

In der tinnitusspezifischen Psychotherapie kann das Vorgehen hoch strukturiert und manualisiert sein. Je nach Erfahrung des Therapeuten und vor allem je nach Begleiterkrankungen kann und soll der Behandler jedoch auch hiervon abweichen können. 

Dass auch depressive Syndrome bei dieser Behandlungsform eine Verbesserung erfahren, ist ein positiver Nebeneffekt. 

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