Stress kann zu Hörproblemen führen: HNO-Arzt erklärt warum

Man versteht vieles plötzlich schlechter, es piept und pfeift in den Ohren: In einer Stress-Situationen scheinen die Ohren manchmal verrückt zu spielen. Das Problem liegt dann meist nicht direkt im Ohr, sondern an anderer Stelle im Kopf.

Laut des HNO-Arztes Erwin Müller findet das Hören zum Großteil dort statt. In einem Interview erklärt er die Mechanismen hinter dem Problem – und er sagt, was uns dabei hilft, damit es besser wird.

Warum geht Stress auf die Ohren, Herr Müller?

Erwin Müller: Man muss unterscheiden zwischen den Auswirkungen auf das Ohr und das Hören. Dies sind zwei verschiedene Dinge. Es kann zu einer Mangeldurchblutung im Ohr bei langfristigem Stress kommen, wodurch es auf Dauer Schaden nehmen kann. Bedeutend mehr verändert jedoch unmittelbarer und häufiger Stress aber die Hörverarbeitung.

Wie äußert sich das?

Erwin Müller: Man wird geräuschempfindlich, versteht schlechter und bekommt einen Tinnitus. Das große Problem ist: Viele bringen solche Symptome nicht mit Stress in Verbindung, weshalb sie sich oft lange Zeit nicht zu helfen wissen. Es hilft jedoch, sich klar zu machen: Die Hörverarbeitung ist wie ein Filter, der durch Stress durchlässiger wird. Man hört weniger von dem, was man eigentlich hören möchte und hört also mehr Störgeräusche, die normalerweise gefiltert werden. 

Was hilft dann?

Erwin Müller: Es hilft, grundsätzlich den Stress zu reduzieren. Man kann demnach sagen: Wenn man selbst ruhiger wird, wird auch das Hören ruhiger. Und das Filtern von Störgeräuschen klappt wieder besser. Was ebenfalls helfen kann: Sich bewusst auf bestimmte Geräusche und Sprachreize zu konzentrieren und somit die Differenzierungsfähigkeit zu trainieren – Hören findet nämlich zum Großteil im Kopf statt. Diese Mechanismen der unterbewussten Hörverarbeitung lassen sich verändern. Diese werden beeinflusst von Stress und Emotionen. Deshalb ist es auch so wichtig, sich nicht über alles aufzuregen und im Alltag für Ausgleich und Entspannung zu sorgen. 

Steuert man bei stressbedingten Hörproblemen nicht rechtzeitig gegen, können sich diese zunehmend verschlechtern. Letztendlich zieht man sich zurück, um die Geräusche zu vermeiden, was dann wiederum zu Ängsten und Depressionen führen kann und den Hörfilter immer durchlässiger macht. Dann entsteht ein echter Teufelskreis, der immer schwerer zu durchbrechen ist.

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