Tinnitus als Corona-Nachwirkung

Nach der Erkrankung mit Corona leiden 15 Prozent darunter

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Covid-19 mit einem potenziell belastenden und unangenehmen Klingeln in den Ohren in Verbindung steht. Erst kürzlich wurde, durch den Tod von Kent Taylor, der Zusammenhang zwischen dem Tinnitus und der psychischen Gesundheit der Betroffenen deutlich: 

Der US-amerikanische Gründer der Restaurantkette Texas Roadhouse nahm sich am 18. März im Alter von 65 Jahren, nach einem „Kampf mit den Folgeerscheinungen von Covid-19, einschließlich schwerem Tinnitus“ das Leben, dies teilte seine Familie mit. 

Einen sprunghaften Anstieg der Anruferzahlen zwischen den Monaten Mai und Dezember 2020 – im Zusammenhang mit Tinnitus – meldete eine britische Hilfsorganisation, wie „The Guardian“ berichtete. In diesen Monaten wurde ein Anstieg der üblichen Anruferzahlen um 256 Prozent verzeichnet. Kürzlich wurde in einer Analyse in der Fachzeitschrift „International Journal of Audiology“ veröffentlicht, für die Forschende 24 frühere Studien zum Zusammenhang zwischen Covid-19 und Tinnitus ausgewertet hatten.

15 Prozent der Menschen, die an Covid-19 erkranken, berichten demnach davon, dass sie nach der Erkrankung an einem Tinnitus leiden. 7,6 Prozent berichteten über Hörverlust und 7,2 Prozent über Schwindel, der ebenfalls auf die Ohren zurückzuführen ist. Der Professor an der University of Manchester und Hauptautor der Studie für Audiologie, Kevin Munro, berichtete, dass er innerhalb von 24 Stunden nach der Veröffentlichung der Studie etwa 100 E-Mails von dankbaren Patienten erhielt. Viele berichteten davon, dass ihre Ärzte ihre Beschwerden nicht ernst genommen haben.

Es ist bislang nicht klar, ob der Zusammenhang kausal ist

Munro schrieb in einer E-Mail an Business Insider: „Wir warten noch auf eine endgültige Studie von höchster Verlässlichkeit, um diese Zahl zu bestätigen“. Bislang sei nicht klar, ob der Zusammenhang zwischen Covid-19 und dem Tinnitus tatsächlich kausal ist. „Wir wissen aber, dass einige Viren das Ohr schädigen können, also ist dies auch bei SARS-CoV-2 möglich“, so Munro. 

Masern, Mumps und Meningitis, so wissen Forscher, können ebenso Hörprobleme verursachen. „Tinnitus ist jedoch oft noch störender, wenn wir ängstlich und gestresst sind und nicht gut schlafen“, bestätigt Munro.  Diese Faktoren treten sämtlich während einer Pandemie verstärkt auf. Oftmals wird Tinnitus als ein Klingeln in den Ohren beschrieben, kann jedoch auch wie ein Summen, Zischen oder Klicken wahrgenommen werden. Ein User beschreibt auf Twitter seinen „Post-Covid-Tinnitus“ in einem Tweet als „Zikadeninvasion“:

Es leiden 2,7 Millionen Menschen in Deutschland unter chronischem Tinnitus, darunter 1,5 Millionen mittelgradig bis unerträglich. Jährlich kommt es bei rund 10 Millionen Menschen zu einem Tinnitus. Laut der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. steigt zudem die Zahl der chronischen Erkrankungen um etwa 250.000 pro Jahr.

Sowohl bei Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, als auch bei denen, die sich bereits davon erholt haben, listet der National Health Service in Großbritannien Tinnitus als häufige Folgeerscheinung auf.  Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die US Centers for Disease Control bisher nicht. Das es keinen diagnostischen Test für Tinnitus gibt, ist eines der Probleme, schrieb Munro. In den meisten Fällen wird Tinnitus als „subjektiv“ bezeichnet. 

Dies bedeutet, dass nur der Patient das Geräusch hören kann. In einigen seltenen Fällen jedoch hört auch der Arzt den Tinnitus bei einer Untersuchung. Munro schrieb: „Bis wir einen diagnostischen Test haben, müssen sich Kliniker auf die Selbstauskunft in der Anamnese verlassen.“

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